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22 , 2008

Jobsuche die 2. / Gro├čeinkauf

Allgemein — posted_by mellizo1 @ 13:53
Mittlerweile waren bereits 20 Tage vergangen und wir hockten immer noch ohne Job in Sydney herum. So langsam legte sich die anfängliche Aufregung, der Entdeckergeist war in kleinen Schritten verschwunden und einer kleinen Depression gewichen. Kein Job, immer wieder Regen, Kälte, das Großstadtgetümmel, die unzähligen Asiaten; irgendwie hatten wir von all dem die Nase voll. Da es in der Stadt mit dem Job nicht klappte und uns auch sonst mehr nach einem ruhigeren Vorort zu Mute war, fuhren wir mit dem Zug nach Newtown.

Newtown ist ein kleiner Vorort von Sydney und mit dem Zug für ca. 3,50 aus $ zu erreichen. Bei unserer Jobsuche, die bislang größtenteils aus dem Verteilen unserer Lebensläufe bestand, hatten wir von einer Verkäuferin den “Geheimtipp” bekommen nach Newtown zu fahren. Dort sollten uns sehr viele Restaurants und Cafes erwarten, die vorzugsweise Backpacker aufgrund ihrer Flexibilität einstellen. Diese Chance wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen und somit machten wir uns mit 20-fach ausgedruckten Lebensläufen auf den Weg. In Newtown angekommen war die Enttäuschung groß, denn der Ort war wie ausgestorben und besteht aus abgerissenen Alternativläden, Piercingstudios und leeren oder geschlossenen Cafes. Wir erkundigten uns bei einigen Passanten, ob dies die einzigen Einkaufsmöglichkeiten seien und wurden dabei zu einem Einkaufszentrum geschickt. Die Rede war von einem etwas kleineren Shopping-Center in Richtung Nirgendwo und einem etwas größeren in Richtung Sydney Stadt.

Wir beschlossen als erstes das kleinere Einkaufszentrum aufzusuchen und wurden nach 50 Minuten Fußmarsch auch endlich fündig. Das Einkaufszentrum ließ in uns neue Hoffnungen aufkommen und motivierte uns, in beinahe jeden Laden zu gehen und nach Arbeit zu fragen. Die meisten Shopkeeper nahmen unsere Lebensläufe auch mit positiven Kommentaren entgegen und versprachen sich umgehend bei uns zu melden, jedoch waren uns diese Floskeln und Abläufe bereits aus Sydney City bekannt. Während wir uns also einmal wieder mehr oder weniger erfolglos bei allen möglichen Geschäften bewarben, entdeckten wir einen Aldi Markt. Das große gelbe Schild mit dem blauen A ließ gleich ein sehr heimisches Gefühl in uns aufleben und wir beschlossen einen kleinen Lebensmitteleinkauf zu starten.

Aus diesem “kleinen” Einkauf resultierte dann eine größere Anzahl an Tüten, gefüllt mit Getränken, Schokolade, Früchten und was der Mensch sonst noch so braucht zum Glücklichsein. Nicht nur die Preise waren für australische Verhältnisse verführerisch günstig. Auch die Brotauswahl war bestechend gut, denn anders als bei Coles, Woolworth und Co. gab es hier das echte, gute Pumpernickel Schwarzbrot und das heimische Graubrot anstelle von zig verschiedenen Toastsorten.

Gut beladen und einige Dollar ärmer verließen wir das Einkaufszentrum und wollten nun trotz schwerer Ladung auch noch das zweite Shoppingcenter in Richtung Stadt aufsuchen. Leider sollte sich dies mal wieder schwieriger gestalten als erwartet. Um die Tüten nicht ganz so weit tragen zu müssen, beschlossen wir den Einkaufswagen noch ein Stück als Kleintransporter zu nutzen und dann in der Nähe der Bushaltestelle zu parken. Gesagt, getan. Wir packten unsere Bewerbungsmappe und unsere Einkäufe in den Einkaufswagen und schoben ihn bis zur nächsten Einkaufswagenstelle. Von hier aus waren es nur noch wenige Gehminuten bis zur nächsten Bushaltestelle. Trotz zunehmender Ebbe im Geldbeutel wollten wir uns ein Busticket zum nächsten Einkaufszentrum gönnen.

Nachdem wir einen passenden Bus gefunden, das Ticket gekauft und schon drei Haltestellen mit dem Bus gefahren waren, mussten wir feststellen, dass unsere Bewerbungsmappe verschwunden war. Wir durchsuchten noch einmal unsere Einkaufstüten, aber sie war nicht mehr aufzufinden. Uns dämmerte, dass wir die Mappe im Einkaufswagen hatten liegen lassen. Da sich in der Mappe nicht nur unsere kompletten Bewerbungsunterlagen, sondern auch ein paar Bankunterlagen meiner Freundin befanden, stiegen wir an der nächsten Haltestelle aus um schnellst möglich zum Einkaufswagen zurück zu kommen. Wir beschlossen, es sei logischer wenn wir nicht in ein weiteres Busticket investieren würden und nur einer von uns zurücklaufen würde während der andere mit den Einkäufen auf einer Bank wartet.

Da mich zu diesem Zeitpunkt noch eine bittere Erkältung plagte, opferte sich meine Freundin den Weg noch einmal zurückzulegen. Glück im Unglück: Nach 40 Minuten war sie mit der Mappe unter dem Arm zurück. Mittlerweile war allerdings unser Busticket wieder verfallen und wir wollten in kein neues investieren. Somit machten wir uns zu Fuß auf den Weg zum nächsten Einkaufszentrum. Langsam wurde es dunkel und als auch nach drei Stunden Fußmarsch statt eines Einkaufszentrums die großen Tower der Innenstadt Sydneys in Sichtweite waren, wurde uns klar, dass das Einkaufszentrum nirgendwo anders als direkt in Sydneys Innenstadt sein musste. Wir waren also den ganzen Weg, den wir zuvor mit einer viertelstündigen Zugfahrt zurückgelegt hatten zu Fuß gegangen! Verschwitz, über die eigene Dämlichkeit verärgert und mit nahezu wunden Händen erreichten wir dann endlich das Einkaufszentrum und konnte noch gerade ein paar unserer Bewerbungen abgeben. Das wohl Ärgerlichste an dieser ganzen Aktion war unsere Dummheit und die Tatsache, dass wir nie wieder etwas von nur einem dieser Läden gehört haben.

Zwei Tage später beschlossen wir die Jobsuche nun etwas anders anzugehen. Wir begaben uns in eines der zahlreichen Internet Cafes und buchten uns für zwei Stunden ein. Wir besuchten Seiten wie Gumtree.com.au, jobseeker.com, seek.com, jobsjobsjobs.com, carrrierone.com und noch ein paar andere die wir uns per Google heraus gesucht hatten. Tatsächlich wurden wir auch auf all diesen Seiten Jobs angeboten. Allerdings waren die Angebote teilweise sehr unübersichtlich, ohne Kontaktnummer oder ohne nähere Beschreibung. Dennoch suchten wir uns einige Jobs raus und bewarben uns als Cleaner, Waitress, Cashier und für noch einige andere Stellen. Leider bekamen wir auch auf diese Bewerbungen wieder einmal keine Antworten. Also alles für die Katz…

Wenige Tage später versuchten wir dann noch einmal unser Glück bei einigen Jobagenturen, die wir uns im Internet unter Yellowpages.com.au rausgesucht hatten. Wir beschlossen diesmal zuerst anzurufen bevor wir wieder einmal die Suche und den Weg auf uns nehmen, um dann zu guter Letzt von irgendeiner gelangweilten, Kuchen mampfenden Tusse wieder weggeschickt zu werden. Leider mussten wir auch dieses Mal wieder Abfuhren einkassieren: Die eine Agentur war auf IT-Bereiche spezialisiert, die Andere war zu dem Zeitpunkt angeblich total überlastet mit Clienten und die nächsten Agenturen waren entweder nicht für den Stadtteil zuständig, verwiesen uns auf irgendeine Internetpräsenz oder hatten schlichtweg keine Jobs, die in unser Profil passen würden. Fazit: Wieder einmal war unsere Jobsuche fehlgeschlagen.


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