Mit dem Bushcamper durch das Outback

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22 , 2008

AUSTRALIEN AUF DRECKIGEN STRASSEN

Allgemein — posted_by fundyck @ 18:19

 

Es ist erstaunlich, dass nach den ersten und schon sehr frühen Weltumsegelungen, der Erdteil Australien erst so spät in der Entdeckungsgeschichte der Erde ein Begriff wurde. Ludvigo de Torres hat als erster Weißer das australische Festland betreten, als er 1606 die Meerenge zwischen Australien und Neuguinea durchsegelte. Als er an der Nordküste Australiens landete, war ihm das unbewohnt erscheinende Land wohl zu unwichtig, als dass er es in seinen Berichten erwähnt hätte. Die Torres-Straße erhielt diesen Namen erst viel später.

Der holländische Kapitän Carstenz, der nach ihm an den Küsten Australiens landete, schrieb: „Es ist das wüsteste und kahlste Land, das irgendwo auf der Erde gefunden werden kann. Die Bewohner sind die erbärmlichsten Geschöpfe, die ich je gesehen hatte.“ Die Holländer nannten die Neuentdeckung „Neuholland“ aber es erfolgte keine Besitzergreifung.

Dann kamen die Engländer; erst nach der genauen Beschreibung  von James Cook 1770, ließ England den östlichen Küstenrand besetzen und als Strafkolonie verwenden. Nach den riesigen Goldfunden um 1851, setzten die stärkeren Siedlungswellen ein. Dadurch wurde auch das Innere des Kontinents interessant - die Siedler brauchten neues Weideland. 1881 stieß Lachlan über die Blauen Berge ins Innere vor. Nach mehreren gescheiterten Versuchen anderer Erkunder, trat der deutsche Forscher Ludwig Leichardt von Brisbane aus den Vorstoß in das völlig unbekannte Innere mit dem Ziel an, die Nordküste Australiens zu erreichen.

 

Die Expedition war für fünf Monate berechnet, aber erst nach 15 Monaten erreichte er nach vielen Entbehrungen und Verlusten die Küste von Arnhemland. 

Ludwig Leichardt trug Tag für Tag seine Erfahrungen und Begegnungen mit akribischer Genauigkeit in sein Tagebuch ein. Diese authentische Quelle hat Franz Baumann zu dem spannenden Buch „Die erste Durchquerung Australiens“ genutzt.

 

Kein bequemes Land

Mittlerweile kann man Australien mit dem Zug von Ost nach West von Sydney bis Perth mit  dem Indien-Pazifik und von Nord nach Süd von Darwin bis Adelaide mit dem Ghan durchqueren. Letzteres allerdings erst seit zwei Jahren. Auch der Stuart Highway läßt auf durchgängig geteerter Straße eine relative bequeme Autofahrt von Adelaide über Alice Springs nach Darwin zu.

Aber das Innere Australiens, das Outback, ist immer noch eine Herausforderung. Auch wenn man sich in einem allradgetriebenen Auto bewegt, stellen die Pisten und die extremen Witterungsbedingungen  hohe Anforderungen an Mensch und Technik.

Und dann diese riesigen Entfernungen - Australien ist das sechstgrößte Land der Erde und die größte Insel. Es ist die einzige Insel, die auch ein Kontinent ist, und der einzige Kontinent, der auch ein Land ist. Er ist der erste und letzte Kontinent, der vom Meer aus erobert wurde.

Es ist die Heimat des berühmtesten und eindrucksvollsten Monolithen, des Ayers Rock oder Uluru, der nun auch offizielle  Aborigine-Name. Es gibt dort mehr Lebewesen, die einen umbringen können als irgendwo sonst. Die zehn giftigsten Schlangen leben alle in Australien. Fünf seiner tierischen Bewohner - die Trichterspinne, die Würfelqualle, der Blauringkrake, der Steinfisch und eine bestimmte Zeckenart - sind tödlich für den Menschen. In diesem Land können selbst die flauschigsten Raupen Sie mit einem Kniepen ausser Gefecht setzen, und Muscheln pieksen hier nicht nur, sondern attackieren Sie manchmal sogar. Wenn Sie aber nicht plötzlich und unerwartet zu Tode gestochen oder gespießt werden, werden Sie vielleicht von Haien oder Krokodilen gefressen, von tückischen Meeresströmungen hilflos zappelnd in den Ozean hinausgetragen, oder Sie taumeln mutterseelenallein im brütend heißen Outback in einen kläglichen Tod. Ein hartes Land.

Und alt. Seit sechzig Millionen Jahren, seit Bildung der Great Dividing Range hat sich Australien geologisch praktisch nicht verändert und dadurch viele der ältesten Dinge bewahrt, die man auf Erden fand, die urältesten Felsen und Fossilien, die frühesten Tierspuren und Flussbetten, ja, die ersten schwachen Zeichen des Lebens selbst. Und zu einem unbestimmten Zeitpunkt in Australiens unendlich langer Vergangenheit - vielleicht vor fünfzigtausend, vielleicht vor sechzigtausend, aber ganz sicher, bevor es moderne menschliche Wesen in Europa oder Amerika gab - drang heimlich, still und leise ein zutiefst rätselhaftes Volk ein, die Aborigines. Sie weisen keine eindeutige rassische oder sprachliche Verwandtschaft mit den Völkern im umliegenden asiatischen Raum auf, und eigentlich ist ihre Anwesenheit auf dem Kontinent nur dann plausibel, wenn man annimmt, dass sie mindestens dreissigtausend Jahre vor allen anderen Menschen hochseetüchtige Schiffe ersannen, bauten, sich auf einen Exodus begaben und dann fast alles, was sie  gelernt hatten, vergaßen oder sich nicht mehr dafür interessierten, ja sich überhaupt kaum noch mit dem offenen Meer einliessen.

Diese Leistung ist so einzigartig und aussergewöhnlich, so schwer zu erklären, dass die meisten Geschichtsbücher sie mit ein, zwei Absätzen abtun und dann gleich zur zweiten, besser dokumentierten Invasion übergehen, die 1770 mit der Ankunft Captain James Cooks und seiner tapferen kleinen Jolle, der HMS Endeavour, in der Botany Bay begann. Macht nichts, dass Captain Cook Australien nicht entdeckt hat und zur Zeit seines Besuchs nicht mal Kapitän war. Die meisten Leute, auch die meisten Australier, glauben, dass mit ihm alles anfängt.

Die Welt, die diese ersten Engländer vorfanden, war berühmt dafür, dass alles verkehrt herum war - statt Winter war in Australien Sommer, die Sternbilder  standen Kopf. Die Lebewesen schienen sich entwickelt zu haben, als hätten sie die Gebrauchsanweisung nicht gelesen. Das typischste von ihnen  rannte, hoppelte oder galoppierte nicht, sondern sprang durch die Landschaft wie ein Gummiball.

Kurz und gut, ein solches Land gab es auf der Welt nicht noch einmal, gibt es immer noch nicht. Achtzig Prozent aller Tiere und Pflanzen in Australien existieren nur dort. Sie existieren in einer Vielzahl, die zu den harschen Lebensbedingungen garnicht zu passen scheint. Australien ist der trockenste, flachste, heisseste, ausgedörrteste, unfruchtbarste, klimatisch aggressivste aller bewohnten Kontinente. Nur die Antarktis ist lebensfeindlicher. Und dennoch wimmelt es von Leben in unzähligen Formen.

Was uns das sagen soll? Dieses Land ist gleichzeitig atemberaubend leer und voll gepackt mit Zeugs. Interessantem Zeugs, uraltem Zeugs, Zeugs, das man auf Anhieb nicht versteht. Zeugs, das man sogar noch finden muss. Kurz - es ist ein interessantes Land. (Frühstück mit Kängurus, Bill Bryson)

 

 

 

Beginn der Reise

16.30 Uhr - Rush Hour in Adelaide. Ich fahre den gerade erst übernommenen 2,5t Toyota Landcruiser rechtsgesteuert durch den einsetzenden Regen. Von extremer Trockenheit in Südaustralien hatte man uns erzählt. Jetzt ist es fast wie zu Hause - bis auf den Linksverkehr. Zigtausende eilen aus der Millionenstadt in die umliegenden Vororte.

Als uns Rolf gegen 11 Uhr vom Quest Mansions, unserem Hotel abgeholt hatte, strahlte die Sonne noch heiss vom Himmel. Rolf ist Schweizer und Mechaniker. Er hat seinen RMS - Rolfs Mechanical Service - in Glenelg, einem Vorort an der Küste und vermietet mit seiner Frau Sibylle Bushcamper. Rolf ist einer von den Typen, die man schon Jahre zu kennen glaubt.

Der Toyota, ein Bushcamper mit Dachzelt, ist ein älteres Modell mit über 390.000 km auf dem Buckel - aber gut in Schuss.

Rolf erklärt uns jedes Detail mit schweizer Präzision. Jede Menge Werkzeug ist mit an Bord; sogar eine Seilwinde ist am Bug befestigt. Ein Kompressor ist dabei, um die Reifen wieder aufzupumpen, wenn man in der Wüste wegen losem Sand den Reifendruck reduzieren muss.

Im Verlustfall sorgt ein Ortungssender dafür, dass wir satellitentechnisch wieder aufgespürt werden. Als ganz wichtig hat sich  auch der Spaten erwiesen, der nicht nur die eigenen Hinterlassenschaften gnädig bedecken lässt, sondern sich im Extremfall auch als Bagger... aber davon später. Zwei Reservereifen, ein Hammer und hydraulischer Wagenheber runden das Equipment ab.

Aber der Clou ist das Dachzelt. Wir haben schon etliche Bushcamper gemietet - mit Pop-up-Dach, High-Top oder einfach nur einen Range-Rover mit Campingzeug - und jetzt ein Dachzelt. Über eine Leiter hangelt man sich auf die Dachreling, entfernt eine Schutzplane und richtet mit einer Hand das Zelt auf - nach einem Prinzip, mit dem man früher das Kopfteil von Kinderwagen geöffnet hat. Matratzenunterlage ist bereits drin. Jetzt noch die Schlafsäcke rein, fertig!

Und es regnet! Mittlerweile haben wir Prospect, einen  nördlichen Randbezirk von Adelaide erreicht, der Verkehr lässt immer noch nicht  nach.  Wir halten an einem Liquor-Store und decken uns mit einigen Kartons Victoria-Bitter Bier ein. Das Ziel für die  erste Nacht ist ein Campground in der kleinen Stadt Nuriootpa im Barossa Valley, Südaustraliens berühmte Weinregion. Der Regen wird stärker. Aber der Verkehr nimmt ab.

Nuriootpa ist ein kleines Kaff mit einem schönen Campground. Es ist nass und ich habe keinen Bock das Dachzelt auszuprobieren, es gibt so schöne trockene Cabins. Ich bin froh, dass ich mein Icebreaker T-Shirt dabeihabe. Dieser ewige Temperaturwechsel von warm und kalt wird von diesem Teil super ausgeglichen. Wir sortieren unsere Einkäufe und planen unsere Weiterreise.

Das nächste Ziel soll Broken Hill sein, 510km Richtung Nordost, in New South Wales über den Barrier Highway. Dann  weiter nach Tibooburra nördlich in den Sturt Nationalpark. Von dort über Cameron Corner nach Innamincka am Cooper Creek und nach Birdsville in Queensland. Hier wollen wir in die Simpson Wüste einsteigen - über die French Line oder Rig Road? Welche Strecke wird befahrbar sein? Aber wieso sich jetzt einen Kopf machen, wir werden es sicher in Birdsville erfahren. Letztes Ziel und Autorückgabe ist dann nach etwa  3.500 km Alice Springs, Northern Territory im geographischen Zentrum Australiens.

 

 

Es wurden letztlich über 1.000km mehr. Dafür sind wir den Oodnadatta Track entlang der alten Ghan-Bahnlinie gefahren. Auf den Spuren der Pioniere und Prospektoren.

Schon 1870 gab es erste Visionen einer transkontinentalen Bahnlinie, die Adelaide mit Darwin verbinden sollte. Bevor die ersten Waggons durch das Outback rollten, wurden die Güter von Kamelkarawanen befördert - sogenannten Camel Trains. Pferde und Ochsen waren für das wilde und trockene Terrain denkbar ungeeignet. Angetrieben wurden die Kamele von Afghanen, Persern und Türken. Von den afghanischen Kameltreibern erhielt der Ghan schliesslich seinen Namen.

Um 1900 war die Strecke  im Süden bis nach Oodnadatta  ausgebaut worden. Bodenschätze waren der Anlass für den Bau der Bahn. Gold, Opal und Kupfer konnten auf dem Schienenweg viel leichter abtranspotiert werden. Abenteurer und Minenarbeiter kamen mit der Bahn leichter ins Binnenland, genau so wie Lebensmittel und Material zum Aufbau einer Infrastruktur im unwirtlichen Outback.

 

Wir haben gut geschlafen in unserer Cabin. Das Kreischen von Kakadu- und anderen Vogelschwärmen weckt uns. Es ist etwas frisch draussen aber die Sonne findet ihren Weg durch die lockere Bewölkung. Auch wir finden unseren Weg hinaus aus Baraossa Valley und der Zivilisation. Vor uns liegt der Barrier Highway, der uns schnurgerade nach Broken Hill führt.

Für die meisten Australier ist die Bergbaustadt Broken Hill das Synonym für „Langeweile im Busch“ schlichtweg. Broken Hill ist aber eben auch in vielen anderen Punkten „quite different“. Die Uhren ticken anders. Auf jeden Fall hat New South Wales eine eigene Zeitzone. Die Uhren werden hier eine halbe Stunde vorgestellt. Broken Hill ist auch eine Stadt der Künstler. Rund 90 leben in der Stadt.

Als wir Broken Hill erreichen, haben wir eine ermüdende Regenfahrt hinter uns. Und der Regen verstärkt sich. Der erste Campground am Stadtrand liegt neben dem Friedhof. Nee - wir fahren 20km nordwestlich auf einer Nebenstrecke weiter nach Silverton - Die Scheibenwischer laufen auf Hochtouren.

Die ehemalige Bergbaustadt Silverton ist einer der beliebtesten Plätze für Filmschaffende in Australien. Sie besteht nur noch aus einer Handvoll Häusern und einer Kneipe. In den wenigen Gebäuden haben sich heute ein gutes Dutzend Kunstmaler angesiedelt. Zum idealen Platz wird das Beinah-Geisterstädtchen durch seine idealen klimatischen Bedingungen. Eine fast 100%ige Sonnenscheingarantie lockt die Produzenten von Kino- und Werbefilmen aus aller Welt an. Das Licht gilt als ideal. Viele Kameracrews filmen einfach drauf los. Filter und aufwändige Effekte sind auch nicht unbedingt nötig. Stahlblauer Himmel und die rote Erde bieten genug Kontraste. Hauptdarsteller ist meist das „Silverton Hotel“. Es bietet sechs Zimmer. In den Filmen firmiert es allerdings dann als „Dingo Hotel“ oder „Hotel Australia“ (wie in „Dirty Deeds“).

 

 

TEIL 2

Wir sind von Frankfurt am Main mit der Fluggesellschaft „Emirates“ über Dubai und Perth nach Adelaide, Südaustralien eingereist. Nach einer Aklimatisierung von 3 Tagen haben wir den avisierten Toyota Landcruiser von RMS, Rolf`s Mechanical Service in Glenelg, einem Vorort von Adelaide, übernommen. Rolf, der Schweizer Mechaniker, hat den Toyota als Bushcamper umgebaut und mit allem versehen, was man im Outback so braucht, um zu überleben. Unsere Tour soll uns drei Wochen ca. 4.000km durch die australische Wildnis auf den Spuren der ersten Siedler bis nach nach Alice Springs im „Roten Herzen“ führen. Wir - das sind meine Frau Karin und ich.

Im ersten Teil habe ich die widrigen Witterungsverhältnisse geschildert. Für die Jahreszeit (im November kann es in der südlichen Region sehr heiss sein) war es sehr kühl und es regnete zum Teil sehr kräftig. Das sollte sich auch so bald nicht ändern, und ich war wirklich froh meine Icebreaker Merino Teile dabeizu haben. Das machte die kalten Nächte im Dachzelt dann doch erträglicher.

Silverton – dieses ehemalige Bergarbeiterstädtchen, 20km nordwestlich von Broken Hill, versinkt im Schlamm – genauer gesagt, der Campground und der Pub, denn viel mehr gibt es hier nicht. Dieses ist also eines der beliebtesten Plätze für Filmschaffende in Australien. Wegen angeblich fast 100%iger Sonnenscheingarantie reisen die Produzenten von Kino und Werbefilmen aus aller Welt an, um das ideale Licht ohne aufwändige Effekte und Filter zu nutzen.

 

 

 

Im Silverton Hotel wurde der Film "MAD MAX" gedreht – das berühmte "Raketenauto" steht noch davor!

 

 

 

 

Also wir merken nichts von einem stahlblauen Himmel - es ist trist verhangen und es schüttet aus Kübeln. Wir entschließen uns, noch mal eine Cabin zu nehmen – das Dachzelt bleibt unangetastet. Der Pub ist traumhaft, langer Tresen, kühles Bier vom Faß und eine Einrichtung, wie man sie aus alten Westernfilmen kennt. Ja, hier werden wir uns ein Zimmer nehmen und den Abend verbringen!

Als ich der netten Bedienung hinter dem Tresen freudestrahlend meine soeben getroffene Entscheidung mitteile, schüttelt sie nur bedauernd den Kopf: „Sorry Sir, we are fully booked“. Es gibt Situationen im Leben, die man nicht näher beschreiben möchte.

Draußen geht die Welt unter - drinnen zerplatzen Träume und eine zunehmend genervte Gattin... 

Immerhin bekomme ich den freundlichen Rat, im Campground (der gerade im Schlamm versinkt), gäbe es noch freie Cabins – wir sollen nach Cabin Nr. 3 fragen. Ich genehmige mir noch Bier und bewege mich schweren Herzens nach draussen.

Der Campground-Besitzer ist sehr freundlich, meint, der Regen sei morgen durch und drückt mir ein Bündel nach Mottenkugeln stinkender Bettwäsche in die Arme. Die Cabin (s.Foto links) entpuppt sich als Einfamilienhaus mit riesiger Küche und zwei Schlafzimmern mit Etagenbetten - hier könnten bequem 20 Leute übernachten. Karin ist nahe an einem Nervenzusammenbruch – die Mottenkugelwäsche bleibt draussen und wir weihen unsere Schlafsäcke ein.

Die Küche ist super equipt - sogar eine große Steakpfanne ist da – und ein Gasherd. Ich würde zwar lieber auf der großen Feuerstelle im Hof brutzeln, aber die könnte man jetzt als Swimmingpool nutzen. Wir hauen uns die Steaks in die Pfanne und machen uns eine Flasche Rotwein auf – aus dem „Barossa Valley“, Adelaides Weinregion.

Schon sieht die Welt wieder anders aus. Am nächsten Tag hat es aufgeklart und wir können erahnen, wie schön Silverton in Wirklichkeit ist. Ein wunderschöner Sonnenaufgang mit den typischen Farben, die sich in den Wolken reflektieren. „I can see clearly now, the rain is gone...“

Wir drehen eine Runde durch die Umgebung – jetzt sehen wir endlich etwas von der Landschaft und wissen wieder, warum wir hier sind.

Wir wollen heute noch ca. 300km weiter Richtung Norden, richtig ins tiefste Outback  in den Sturt National Park nach „Tibuburra“. Dafür brauchen wir noch reichlich Proviant. Also noch mal in die alte Coal Mining Stadt „Broken Hill“. Hier gibt es reichlich Supermärkte und Liquer Stores, um Bier nachzuladen, denn je weiter man ins Outback kommt, desto teurer werden Vorräte und Getränke. Wir bekommen alles, was wir brauchen. In einem Outdoorladen, der wirklich alles führt, was in der Wildnis von Nutzen ist, kaufen wir uns noch ein paar Fliegennetze, denn wir kennen die wahre Pest des Outbacks.

 

Richtung Norden

Die Outback-Fliegen, krauchen einem in jede Öffnung, die unbedeckt ist. In die Augen, Mundwinkel, Ohren – überall hin – und sie lassen sich auch nicht so leicht verscheuchen. Ein alter Bush-Mann sagte `mal:

„Wer ins Outback geht, sollte seinen Frieden mit den Bushfliegen gemacht haben.“ Da ist was dran!

Kaum sind wir 40km nördlich von Broken Hill, auf noch geteerter Straße, fängt es wieder an zu regnen. Im Nordwesten, Richtung „White Cliffs“, tiefschwarzer Himmel. Neben uns wachsen plötzlich ganze Seen aus der Spinifex-Landschaft.

Auf einmal deutet Karin aufgeregt nach vorn. Durch den grauen Regenschleier erkenne ich vor mir eine Reflektion auf der Straße. Da, wo sonst ein ausgetrockneter Creek die Straße quert, brodelt jetzt ein reissender Fluss.

Ich ziehe mir Schuhe und Socken aus und wate Richtung Flussmitte. Schon nach ein paar Metern geht mir das Wasser bis zu den Oberschenkeln. Mit nasser Hose setze ich mich wieder in den Wagen. Ein Blick zum Himmel zeigt uns, dass es von Osten her heller wird. Also warten wir ca. eine Stunde und sehen, wie das Wasser sich langsam zurückzieht.

Als wir uns endlich durchwagen, geht das Wasser immer noch bis zur Kühlerhaube – aber der 4WD-Toyota mahlt sich souverän brummend durch die Fluten.

Die Straße ist nun größtenteils ungeteert – jetzt wird`s schlammig und die Durchquerung von Überschwemmungen wird langsam Routine.

Immerhin hat der Regen jetzt aufgehört und die Landschaft zeigt sich wieder von ihrer prächtigsten Seite. In der schönsten Nachmittagssonne gegen 16.00 Uhr, erreichen wir Packsaddle, ein prächtiges Roadhouse. Die Sonne wirft ein schönes Licht auf den Pub.

Es ist mal wieder die Zeit der Entscheidungen. Wir haben viel Zeit durch die Überschwemmungen verloren – so schön sich das Roadhouse auch präsentiert, es ist noch zu früh, um schon zu übernachten. Wir haben ja noch das Ziel Tibuburra. Ich geh` auf ein Bier in den Pub und bekomme  einen Cooler mit Packsaddle Aufdruck geschenkt (das sind diese Becher, die das Bier kühl halten sollen).

 

 

 

Frühstück auf dem Campground "Dead Horse Gully"

Tibuburra

Wir entscheiden uns für die schlammige Straße Richtung Tibuburra. Vorher gibt es noch eine Ansiedlung mit Pub und Campground – Milparinka. Es ist dunkel als wir dort ankommen. Ein einsames, aber helles Licht wies uns schon von weitem den Weg.

Hoffnungsfroh biegen wir von der Hauptstrecke auf einen holprigen Zufahrtsweg ab. Doch welche Enttäuschung – der Pub, Mittelpunkt der Ansiedlung, ist in tiefe Dunkelheit gehüllt. Kein Lebewesen weit und breit. Die Szenerie wird von einer einsamen Straßenlaterne beleuchtet - das helle Licht, das wir von weitem sahen.

Allerdings ist noch ein Licht im Wohnhaus hinter dem Pub zu sehen, es müssen also Leute anwesend sein. Doch auf mein Rufen macht keiner auf  – very strange! Nächtens „in the middle of nowhere“ und niemand zeigt sich.

Leichte Bewegungen hinter den Fenstern zeigt uns, dass wir bemerkt worden sind, aber es tut sich nichts. Jetzt wird`s uns doch unheimlich und wir beschliessen, uns die restlichen 40km bis Tibuburra durch die Dunkelheit zu wagen.

Um 21.00 Uhr erreichen wir das Outback-Kaff. Wir haben irgendwie das Gefühl, wieder in der Zivilisation zu sein. Es ist eine sternenklare Nacht, die Luft ist seidenweich. Vor einem Pub am Ortseingang schneidet eine junge Frau einer anderen die Haare. So komisch die Szene ist, sie wirkt beruhigend.

Ehe ich mich versehe, sind wir schon am Ortsausgang. Hier ist ein weiterer Pub, in dem wir uns ein Bier bestellen. Pubs sind im Outback so etwas wie Radio, Fernsehen und Zeitung zugleich – hier laufen alle Informationen zusammen, werden ausgetauscht und weitergegeben. Eine Straße unpassierbar? Ein Sandsturm oder anderes Unwetter in Sicht? – Im Pub erfährt man es. Für den Durchreisenden kann das mitunter lebenswichtig sein.

Wenn in einem Outback-Pub über den nächsten Nachbar gesprochen wird, bei dem auf seiner Station (australische Bezeichnung für Farm) gerade eine Kuh gekalbt hat, kann es sein, dass dieser Nachbar gut 500 bis 600km weiter weg wohnt. Und die Station kann schon mal Ausmasse von etwa Belgien haben, wie z.B. die „El Questro Station“ in den Kimberlys. Aber ich schweife ab,  wir sind ja fast noch in der Zivilisation.

Die junge Frau in der Bar empfiehlt uns auf Nachfrage, einen Campground in der Nähe mit dem schönen Namen „Dead Horse Gully“.

Kurz darauf gesellen sich noch mehr junge Frauen zu uns. Alle sind sehr aufgekratzt und es wird viel Bier getrunken. Später stellt sich heraus, dass die Friseuse, die wir am Ortseingang gesehen haben und die nun auch in dieser illustren Runde sitzt, am Tag vorher geheiratet hat. Sämtliche jungen Frauen des Ortes feiern dieses Ereignis (unter Ausschluss der Ehemänner) immer noch mit ihr.

Als einziger Mann unter all diesen angeheiterten Mädels dränge ich dann doch zum Aufbruch, nicht ohne, noch zum Frühstück und Picknick auf einer Pferdefarm eingeladen worden zu sein. Na, ob das was wird?

Am nächsten Abend erfahren wir, dass Rebecca, so hieß die junge Frau, die uns auf ihre Farm eingeladen hatte, beim Tanzen auf dem Tresen, von demselbigen gestürzt ist und sich den Arm gebrochen hat.

Wir müssen noch unser Nachtlager im Bushcamp aufschlagen, finden „Dead Horse Gully“ nicht auf Anhieb, sind dann aber doch angenehm überrascht von dem schön gelegenen Platz. Ich habe meine Premiere mit dem Dachzelt und hätte nicht gedacht, wie kinderleicht sich das Ding aufstellen lässt – Schlafsäcke rein und fertig!

Wir genießen noch den Blick auf den Sternenhimmel mit dem Kreuz des Südens. Die Kakadus suchen sich mit lautem Gekreische ihre Schlafplätze auf den umliegenden Bäumen. Dann ist es nur noch still und friedlich.

Am nächsten Morgen erwache ich mit einem atemberaubenden Sonnenaufgang. Der Platz ist bei Licht betrachtet noch schöner als gedacht – hier bleiben wir erstmal ein paar Tage.

Lesen sie in der nächsten Ausgabe wie wir durch den Sturt National Park nach Innamincka kommen und Karin eine schreckhafte Begegnung mit einem TAIPAN  hatte, der gefährlichsten Giftschlange der Welt.

 

 

 

 

dyckdesign@mac.com


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