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27 , 2008

Botanic Garden/ Jobsuche die 1.

Allgemein — posted_by mellizo1 @ 11:25

Da die letzte Woche vor allem durch Regen und für australische Verhältnisse ziemlich kühle Temperaturen geprägt war, beschlossen wir an diesem erstmals wieder sonnigen Tag in den Botanischen Garten Sydneys zu gehen. Auch die Anderen (ein paar deutsche Backpacker und ein Hostelmitarbeiter) fanden an diesem Entschluss Interesse und folgten uns. Somit machten wir uns, ausgestattet mit einer kleinen Decke und etwas Brot für die Vögel, auf den Weg.

Der Botanische Garten liegt in der Nähe des Opera Houses und bietet sich nicht nur als Ort der Entspannung, sondern auch zum Joggen und sportivem Austoben an. Am Vormittag werden kostenlose Führungen angeboten, an denen jeder teilnehmen kann. Da wir uns die Tage zuvor eher weniger mit der Tier- und Pflanzenwelt Australiens, als vielmehr mit den Jobangeboten auseinandergesetzt hatten, erwies sich dieser kleine Ausflug als eine interessante Abwechslung. Neben den unzähligen Palmen, Orchideen und anderen exotischen Pflanzen, waren auch einige für Deutschland eher untypische Tiere zu sehen. Wir trafen auf  sogenannte Flughunde, kleine Papageien und Kakadus. Ein merkwürdiges Tier namens Flughund

Da wir Brot zum Füttern der Vögel mitgebracht hatten, ergab sich die Möglichkeit, die Vögel aus nächster Nähe bzw. auf unseren eigenen Schultern sitzend zu betrachten. Allerdings sollte man beim Füttern vorsichtig sein, da zum Einen die Schnäbel recht scharf sind und zum Anderen die Gefahr besteht, dass einem auf die Schulter gekackt wird. Dieses Problem hatte bereits nach wenigen Minuten einer unserer Bekannten und es war sehr schwer, die Flecken schnell und gründlich zu entfernen.

Nach der Fütterung der Vögel und einem kleinen Schläfchen in der Sonne bekamen wir Lust auf einen guten Kaffe und machten uns auf die Suche nach einem geeigneten Cafe. Das Cafe des Botanischen Gartens lädt zwar durch die zentrale Lage inmitten von Palmen und anderen Pflanzen zum Verweilen ein, ist jedoch preislich gesehen ebenso wie der kleine Souvenirshop den vielen Touristen angepasst und somit für den kleinen Backpackergeldbeutel zu teuer. Als wir uns also gerade gegen das überteuerte Cafe und für einen Latte im Starbucks, welcher hier wesentlich günstiger als in Deutschland ist, entschieden hatten, wurden wir Augenzeugen, wie sich ein riesiger Vogel mit langem, spitzen Schnabel über die Pizza eines Pärchens hermachte. Diese waren eher weniger begeistert und zugleich hilflos, während meine Freundin hemmungslos wie ein japanischer Tourist das ganze fotografierte. Nach dieser gelungen Abwechslung ließen wir wie geplant den Tag mit einem Latte ausklingen.

Am nächsten Tag kehrte unsere alte Verzweiflung zurück. Ein Job musste her, und das so  schnell wie möglich. Wir hatten uns bereits die letzen Tage direkt nach unserer Ankunft hingesetzt und einen Lebenslauf geschrieben, welcher hier von äußerster Notwendigkeit ist. Ebenso hatten wir diesen bereits zig mal ausgedruckt und in nahezu jedem Geschäft verteilt. Dennoch waren wir nach wie vor joblos und Thema unserer Frühstücksunterhaltung war mal wieder die Jobsuche. Diesmal klinkte sich einer der Hostelmitarbeiter ein, um uns neuen Mut zu machen und gab uns einen Zettel, auf dem nach Backpackerbabes für das Verteilen von Flyern gesucht wurde. Da wir uns für nichts zu schade waren, riefen wir bereits wenige Minuten später die Nummer auf dem Zettel an und wurden eingeladen, in 20 Minuten vorbei zu kommen.

Wir machten uns also gleich voller Hoffnung auf den Weg zu dem Fitnessstudio, für das wir die Flyer verteilen sollten. Dort angekommen begrüßte uns gleich eine völlig überdrehte Frau, die sich so verhielt als wäre man seit wenigen Minuten ihre beste Freundin. Sie erklärte uns kurz unsere Aufgabe und vereinbarte mit uns ein Probearbeiten um 15.00 Uhr. Beim Flyerverteilen ging es leider weniger darum Flyer zu verteilen, als vielmehr darum, die Leute nach ihren Telefonnummern und Adressen zu fragen und ihnen ein Abo für das Fitnessstudio zu verkaufen. Obwohl uns diese Tatsache bereits schon etwas abschreckte, beschlossen wir es zumindest einmal zu probieren.

Wenige Stunden später standen wir also in ziemlicher Kälte, getrennt voneinander an Sydneys Hauptverkehrskreuzungen und sollten fremde Menschen nach ihren Nummern und Adressen fragen. Dies gestaltete sich jedoch problematischer als gedacht. Zum Einen zogen die Leute so schnell an einem vorbei und ignorierten einen so sehr, dass man noch nicht einmal annähernd sein Verkaufslächeln aufsetzen und den eingeübten Satz aussprechen konnte, und zum Anderen stand ich am Chinese Corner, welcher dementsprechend auch hauptsächlich von Chinesen durchquert wurde, welche mich selbst wenn sie wollten nicht verstehen konnten.

Eineinhalb Stunden und einige dämliche Anmachsprüche später, hatte ich immer noch keine Nummer in der Tasche und war kurz davor aufzugeben und das ganze abzubrechen, als plötzlich meine Freundin ebenso entnervt auf mich zu kam. Auch bei ihr war es nicht viel besser gelaufen. Sie hatte es zwar geschafft drei Leuten ihre Nummern abzuschwatzen, dennoch hatte auch sie Probleme und wollte einfach nur, dass diese zwei endlos scheinenden Probestunden endlich zu Ende gingen. Als sich dann zu allem Überfluss auch noch ein chinesisches Pärchen neben uns stellte, dass mit Bambushölzern Musik zu machen versuchte, konnten wir eigentlich nur noch über die total bescheuerte Situation lachen. Als die zwei Stunden endlich zu Ende waren und wir die insgesamt fünf Nummern abgeben mussten, war uns allen bewusst, dass dies unser erster und unser letzter Tag in diesem Business war. Wenigstens bekamen wir für die zwei Stunden 20 aus. $ und konnten uns somit unser Abendbrot erstmals aus eigener Tasche finanzieren. Durchgefroren und völlig entmutigt aber zugleich auch froh über das erste selbst verdiente Geld gingen wir ins Bett.

Da wir bei unserer Flyer Aktion von einer anderen Deutschen den Rat bekommen hatten, uns beim Löwenbräu zu bewerben, machten wir uns am nächsten Tag gleich auf den Weg. Sie hatte uns zwar erzählt, dass sie nicht genommen wurde, meinte aber auch, dass wir es mit unseren blonden Haaren in dem deutschen Lokal trotzdem mal versuchen sollten. Das Restaurant Löwenbräu befindet sich in den sogenannten “The Rocks”. Diese sind eine Art Ortsteil von Sydney, der über der Harbourbridge liegt und durch die kleinen Straßen im Vergleich zu Sydneys Innenstadt eher gemütlich wirkt.

Nachdem uns der Weg von zwei Passanten falsch erklärt wurde und wir bereits einige Stunden unterwegs waren, fanden wir endlich das Lokal. Am Eingang begrüßte uns ein kräftiger, deutscher, älterer Herr und auch im Lokal arbeiteten hauptsächlich Deutsche. Mit der deutschen Musik im Hintergrund kam bei uns zum Einen ein heimisches Gefühl auf, zum Anderen war es auch irgendwie ironisch auf einem anderen Kontinent in einem deutschen Lokal zu stehen und zu sehen auf welche Eigenarten wir Deutschen scheinbar beschränkt werden. Sauerkraut, Weißwurst, Dirndl / Lederhosen, Schlager und Bier. Wir sahen uns schon in dem doch eher lächerlichen Aufzug den chinesischen Touristen das Sauerkraut auftischen, bis wir mit dem Chef Bekanntschaft machen durften. Dieser Herr war so was von unfreundlich und schob uns gleich mit einem Personalbogen in die nächste Ecke ab.

Nachdem wir die zweieinhalb Seiten mit all unseren Daten ausgefüllt und abgegeben hatten, offenbarte uns der super-missgelaunte Chef, dass sie aufgrund schlechter Erfahrungen keine Backpacker mehr nehmen und verabschiedete uns. Wütend und deprimiert zugleich verließen wir den Laden und gingen zurück zum Hostel.

Auf dem Weg dahin sahen wir einen Aushang an einem Cafe, das Aushilfen suchte. Das Cafe bestand aus zwei kleinen Tischen und einem kleinen Tresen und schien auch als Laie zu bewältigen zu sein. Als wir unsere Lebensläufe abgeben wollten, erklärte uns die Inhaberin, dass sie nur Leute mit mindestens einjähriger Erfahrung einstellt. Dies schien uns aufgrund der Lokalgröße so derart lächerlich, dass wir nicht wussten, ob wir diese Frau wirklich ernst nehmen sollten. An diesem Abend mussten wir voller Enttäuschung feststellen, dass es wohl nicht so einfach ist wie vermutet, einen Job zu finden und beschlossen am nächsten Tag eine Jobagentur aufzusuchen.

Wie geplant gingen wir also am nächsten Tag, nachdem wir noch einige weitere Lebensläufe verteilt hatten, zu einer Jobagentur, deren Adresse wir im Internet gefunden hatten. Da es mittlerweile bereits halb fünf am Nachmittag war und die Agentur um 17.00 Uhr schloss, waren die Mitarbeiter dieser Firma schon in Feierabendlaune. Wir trafen also nach unzähligem Klingeln und einigen Minuten des Wartens auf eine Frau mittleren Alters, die sich gerade ein Stück Kuchen in den Mund schob und uns mit vollem Mund zu erklären versuchte, dass sie gerade verhindert sei, da sie und ihre Mitarbeiter gerade in einer wichtigen Besprechung wären. Somit nahm sie zwischen Tür und Angel unsere Lebensläufe entgegen und begleitete uns direkt im Anschluss darauf  zum Ausgang. Wieder einmal wurden wir abgeschoben und hatten das Gefühl, ein absoluter Verlierer, mit dem Namen Backpacker, in diesem Land zu sein. Wie bereits erwartet hörten wir auch viele Wochen später noch nichts von dieser Agentur, auf die wir so viel Hoffnung und Erwartungen gesetzt hatten. Scheißladen!


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